Was treibt uns an? Interview mit Dr. Nina Paulic über Alice & Eve und das Coaching mit dem Reiss-Profil

 

Nach einem Interview für den Verband kinderreicher Familien mit Dr. Nina Paulic, die Unternehmen aber auch Einzelpersonen coacht, war schnell klar, dass wir noch mehr zu besprechen haben - warum nicht auch mal ein Coaching-Modell an Romanfiguren ausprobieren? Schließlich geht es in "Irgendwas ist doch immer!" genau darum, wie Frauen sich gegenseitig motivieren und unterstützen.

 

D.N.: Liebe Nina, die gegenseitige Unterstützung, egal ob privat oder beruflich, spielt auch bei Alice und Eve wieder eine große Rolle – ein Grund sich mit dem Thema Coaching genauer zu beschäftigen. Während das Coaching bei den beiden Freundinnen meist aus dem Bauch heraus geschieht, coachst Du professionell. Der Begriff Coaching ist sehr weitläufig. Verwendest Du ein bestimmtes Modell? Und wie gehst Du vor?

 

N.P.: Ich verwende das Reiss-Motivations-Profil, um Menschen klar zu machen, was sie tief in ihrem Inneren antreibt und wie sie diese Erkenntnisse für ihr Berufs- und Privatleben umsetzen können. Dieses Modell ist eine gute Möglichkeit, schnell zu erkennen, was einem wirklich wichtig ist. Dazu wird online ein Fragebogen ausgefüllt, dessen Ergebnisse ich zusammen mit dem Kunden durchspreche.

 

Im ersten Schritt gehen wir die 16 einzelnen Lebensmotive durch, z.B. das Streben nach MACHT, das Bedürfnis nach ANERKENNUNG, oder STATUS. Das ORDNUNGsmotiv gibt etwa darüber Auskunft, wie wichtig Ordnung, Struktur, Planung für mich sind. Ist dieses Motiv sehr niedrig ausgeprägt, dann sind für mich Flexibilität und Spontaneität sehr wichtige Bedürfnisse, die es zu erfüllen gilt. Wenn das Motiv durchschnittlich ausgeprägt ist, hängt es eher von der Situation und vom Umfeld ab, was ich gerade brauche.

 

Im nächsten Schritt schauen wir, wie die einzelnen Motive in ihrer speziellen Ausprägung aufeinander wirken. Ein Beispiel hierzu: wenn das ORDNUNGsmotiv wie oben beschrieben, zwar sehr niedrig ausgeprägt, das ANERKENNUNGSmotiv jedoch hoch ausgeprägt ist an, werde ich trotzdem aufräumen, weil es mir wichtig ist, was andere von mir denken. An diesem Beispiel wird klar, dass ein Verhalten auf ganz unterschiedliche Motivationen zurückzuführen sein kann. Und für Entscheidungen ist es hilfreich, meine Motivatoren und nicht nur mein Verhalten zu kennen.

 

D.N.: Das Modell ist relativ neu und wird durchaus auch kritisch beäugt. Warum hast Du dich dennoch gerade für dieses Modell entschieden? Was begeistert Dich daran?

 

N.P.: Die Frage „Warum verhalte ich mich so?“ oder auch „Welche Bedürfnisse müssen in welcher Menge befriedigt sein, damit ich glücklich und zufrieden bin?“ hat mich sehr neugierig gemacht. Das Reiss-Motivations-Profil ist eines der wenigen Persönlichkeitsinstrumente, das auf diese Frage eine Antwort gibt. Und meine Kunden und ich sind jedes Mal wieder überrascht, wie viele Informationen und Klarheit wir in kurzer Zeit durch das Instrument gewinnen können.

 

Alice und Eve setzen sich mit vielen Problemen auseinander, die typisch für die Generation junger Mütter sind. Alice hat zum Beispiel sehr klare Vorstellungen davon, wie die Dinge im Idealfall sein sollten. Ihre Ideale, etwa im Bezug auf die gelebte Gleichberechtigung durchzusetzen, fällt ihr jedoch sehr schwer, weil sie sich gleichzeitig sehr nach Anerkennung, einem anderen „Motivator“ sehnt. Sind Dir als Coach bei Alice und Eve noch mehr Eigenschaften und Verhaltensweisen aufgefallen, die sich mit dem Reiss-Modell erklären lassen?

 

Bei Eve kann ich mir gut vorstellen, dass sie ein ausgeprägtes FAMILIENmotiv hat: Eigene Kinder zu haben, war ihr immer sehr wichtig. Und eine sehr lange Zeit hat sie ihr Leben komplett an dem Familienleben mit kleinen Kindern ausgerichtet. Auch jetzt, wo sie beginnen möchte zu arbeiten, ist ihr von Anfang an klar, dass die Kinder an erster Stelle stehen bleiben und sich ihre beruflichen Vorstellungen hiermit auf jeden Fall vereinbaren lassen müssen.

 

Vermutlich hat Eve auch ein ausgeprägtes ESSENSmotiv. Der Latte Macchiato mit ihrer Freundin scheint für Eve wirklich ein Genuss zu sein. Und auch das Kochen für Ihre Familie ist für Eve, neben allem Stress, sehr wichtig.

Vielleicht ist auch das Motiv der KÖRPERLIHCEN AKTIVITÄT bei Eve hoch ausgeprägt. Sie hat ihre sportlichen Aktivitäten durch die Kinder eine lange Zeit zurückgestellt und jetzt wieder entdeckt, wie wichtig Bewegung für sie ist. Ein schönes Beispiel dafür, wie schnell es passieren kann, die Dinge, die einem sehr wichtig sind, zu vernachlässigen. Aber auch ein Beispiel dafür, wie gut es tun kann, sich wieder an den eigenen Bedürfnissen zu orientieren und danach zu leben.

 

Bei Alice vermute ich ein hoch ausgeprägtes RACHE/KAMPF-Motiv. Sie ist eine Kämpferin, möchte gewinnen und zeigen, was sie kann. Gleichzeitig kann sie sich auch ärgern und wütend sein. Durch das von dir angesprochene hoch ausgeprägte ANERKENNUNGSmotiv lebt sie ihre RACHE/KAMPFmotiv allerdings wahrscheinlich meist sehr „gezügelt“ aus, da es ihr ja gleichzeitig wichtig ist, von den anderen gemocht zu werden. Diesen Konflikt der beiden Motive, die nicht immer leicht zusammen zu leben sind, merkt man auch in den Situationen, in denen Alice hin-und hergerissen und mit sich selbst nicht im Reinen ist.

 

Ich glaube, dass bei Alice das so genannte Motiv "STREBEN NACH EMOTIONALER RUHE“ recht niedrig ausgeprägt ist. Dies würde erklären, warum sie sich im ersten Teil („Das Leben ist kein Kindergeburtstag“) recht schnell darauf einlässt, ein Kind mit einem Mann zu bekommen, den sie kaum kennt.

 

D.N.: Begegnen Dir Eves und Alices Problemfelder bei vielen Frauen? Was sind die typischen Fallen unserer Zeit? Und die typischen Konfliktfelder des Mutterseins?

 

N.P.: Grundsätzlich geht die Forschung zum Reiss-Motivations-Profil davon aus, dass die Motivausprägungen bei Männern und Frauen recht gleich verteilt sind. Was ich aber schon typischerweise bei vielen Müttern erlebe, ist dieser Wunsch danach, es allen recht zu machen. Dieses Für-alle-da-sein und die eigenen Wünsche und Träume hinten an zustellen, ist sicherlich immer schon Teil des Mutterseins gewesen. In unserer Zeit wird das bei vielen noch verstärkt durch die Möglichkeit, gleichzeitig den Traum und Wunsch zu erfüllen, sich neben der Mutterschaft auch beruflich zu verwirklichen. Daraus kann eine Zerrissenheit oder auch Überforderung entstehen. In so einer Situation kann es hilfreich sein, sich seiner eigenen Wünsche und Bedürfnisse wieder bewusst zu werden. Sich klarzumachen, was wirklich eigene Bedürfnisse und Wünsche sind und welche Ziele doch mehr von der Außenwelt übernommen wurden.

 

D.N.: Und wie gehe ich am besten mit der inneren Spannung um, etwa, wenn die Familie für mich einen sehr hohen Stellenwert hat, ich aber gleichzeitig von dem Wunsch nach Unabhängigkeit geprägt ist?

 

N.P.: So etwas nennen wir einen Motiv-Konflikt. Das Ausleben eines Motivs behindert (anscheinend) ein anderes Motiv. Hier ist es zunächst wichtig, sich über die unterschiedlichen Motive bewusst zu werden. Das erklärt vieles und macht es schon einfacher. Im nächsten Schritt geht es darum, Schnittmengen zu finden, die vielleicht klein sind, aber sicherlich doch vorhanden. Wichtig ist, dass beide Motive ein Stück gelebt werden können. Diese Lösungen sind sehr individuell.

 

D.N.: Und wie ist es, wenn eine Eigenschaft, mit der man bisher super klar kam, auf einmal nicht mehr zum Leben passt? Alice zum Beispiel geht sehr sprunghaft und planlos durchs Leben, allerdings immer mit dem Talent, die besten Gelegenheiten zu ergreifen und die eigenen Ziele im Auge zu behalten. Mit Kind ist sie aber auf einmal auf Planung und Sicherheit angewiesen. Kann man die eigenen Antreiber noch ändern? Bzw. ändern sich die Antreiber in verschiedenen Lebensphasen oder Umständen?

 

N.P.: Von der Idee her ändern sich die Antreiber nicht. Unsere Lebensmotive sind zeitstabil, sie begleiten uns unser ganzes Leben. Aber wie wir sie leben, das ändert sich natürlich. So muss Alice jetzt als Mutter sicherlich mehr auf Planung und Sicherheit Rücksicht nehmen, lebt ihr niedriges Streben nach emotionaler Ruhe aber auch mit Kind weiter aus, indem sie für die Außenwelt extreme Entscheidungen trifft. Es in den unterschiedlichen Lebenssituationen immer wieder zu schaffen, seine individuellen Bedürfnisse zu leben, das ist wohl die Kunst des Glücklich-Seins.

 

Durch die Beschäftigung mit dem Reiss-Modells ist mir vieles über meine Romanfiguren klar geworden, was ich vorher intuitiv angelegt habe. Das Reiss-Modell könnte also auch ein gutes Werkzeug für Autoren sein. Aber ist das im echten Leben auch so? Das meiste erfasst man unbewusst, aber ein Coaching lässt vieles schneller klar und vor allem greifbar werden?

 

Ein Kunde von mir hat mal gesagt: "Das Reiss-Motivations-Profil ist wie ein Spiegel, in den ich schaue. Alles ist vorher schon da, aber jetzt habe ich die Möglichkeit, es mir in Ruhe anzuschauen."

 

Diese Beschreibung trifft es ganz gut. Die Informationen sind ja tatsächlich nicht neu. Das verwundert mich auch nicht, da der Teilnehmer ja vorher selbst die Antworten gegeben hat. Durch das Sich-Bewusst-Machen gewinnt man aber eine neue Klarheit und auch eine Sprache, in der man über diese Themen nachdenken und sich austauschen kann.

 

D.N.: Eve ist normalerweise sehr vernünftig und pragmatisch. Und ausgerechnet die Sehnsucht, mal außergewöhnlich zu handeln und sich auf was Neues einzulassen, führt letztendlich zu ihrem Traumjob. Was hilft Menschen, ihre Grenzen und Denkmuster zu überwinden?

 

N.P.: Bei Eve kommen ja verschiedene Faktoren zusammen. Da ist zum einen ein bisschen Wut oder Trotz über die Äußerungen der Lehrerin. Zum anderen ist da eine große Portion Mut, die sicher auch von Alice gespeist wird. Und natürlich ist da auch eine Portion Glück :-).

Bei anderen Menschen können das ganz andere Faktoren sein, die helfen, Grenzen und Denkmuster zu überwinden. Manchmal ist es ein Schicksalsschlag, wie eine Krankheit oder eine schmerzhafte Trennung. Manchmal ist es ein Selbstbewusstsein, was sich durch viel Stabilität in der letzten Zeit hat aufbauen können.

 

D.N.: Viele Konflikte in dem Buch entstehen vor allem dadurch, dass jeder sich fragt, was der andere wohl denken könnte und sich von diesen unbestätigten Vermutungen zum Handeln antreiben lässt. Wie kann der Ansatz des Reiss-Modells für mehr Verständnis untereinander, egal ob unter Kollegen, in der Beziehung oder mit den Kindern, sorgen? Am besten auch ohne dass man gleich sein ganzes Umfeld zum Test schickt?

 

N.P.: Dafür finde ich zwei Ansätze sehr wichtig:

 

1. Durch das Beschäftigen mit der eigenen Persönlichkeit, den eigenen Motiv-Ausprägungen wird einem sehr schnell klar: die Wahrscheinlichkeit, dass die Menschen (Partner, Kinder, Kollegen,…) um mich herum anders gestrickt sind, ist extrem groß :-). Kurz gesagt: Ich erkenne, ich ticke so und der andere tickt anders. Dieses „anders“ ist aber nicht besser oder schlechter. Es ist einfach anders. Durch diese Erkenntnis fällt es einem häufig sehr viel leichter, den anderen in seiner Andersartigkeit schätzen zu lernen.

 

Ein Beispiel: Es kann gut sein, dass ich schon lange wahrgenommen habe, dass mein Partner sehr viel unordentlicher ist als ich und weniger aufräumt. Im Reiss-Motivations-Profil fällt es mir dann leicht, eine niedrige Ausprägung seines ORDNUNGSmotivs einzuschätzen. Im Coachinggespräch erkenne ich dann aber auch, dass mein Partner eine größere Stärke als ich hat, wenn es darum geht, spontan zu sein, einen Plan umschmeißen zu müssen und eine kreative neue Lösung zu finden. Dieses Anderssein lerne ich im besten Fall schätzen, da ich jetzt nicht mehr nur darauf gucke, was mir an der Andersartigkeit meines Partners nicht gefällt, sondern auch, was mir seine Andersartigkeit gibt, was ich nicht habe.

 

2. Wie ich eben schon erklärt habe, bekommen wir durch das Beschäftigen mit diesen Themen eine Sprache an die Hand, um uns darüber auch auszutauschen und ausdrücken zu können. Bei uns zu Hause ist es tatsächlich nicht selten, dass Sätze fallen wie: „In der Koch-AG haben wir heute Pizza gemacht. Und der Hans in meiner Gruppe, der hat bestimmt ein total niedriges Anerkennungsmotiv. Dem war es total egal, wie der Mozzarella aussah. Und mir ist das doch so wichtig, mit meinem hohen Anerkennungsmotiv. Das war total anstrengend.“

 

Die Situation ist die gleiche. Aber durch das Achten der Andersartigkeit des anderen ist der nicht einfach nur doof oder blöd, sondern anders und die Situation für mich anstrengend. Im Umgang mit den anderen macht das einen sehr großen Unterschied!

 

D.N.: Nach dem Ausfüllen des Tests und dem ersten Gespräch darüber mit Dir, bin ich von den ersten Erkenntnissen teils überrascht, teils fühle ich mich bestätigt, aber vor allem bin ich neugierig auf die weiteren Gespräche geworden. Zugegeben, der Preis, 150,- Euro plus Coachinggebühr ist eine Hürde. So toll das Modell ist, sich einen Psychotest patentieren und teuer bezahlen zu lassen, lässt mich vermuten, dass Herr Reiss sehr durch Ansammeln von Besitz und Status motiviert wird. Andererseits ist es genau die Geschäftstüchtigkeit, die viele Frauen durch den Wunsch nach Anerkennung und Liebe unterdrücken. Was können Frauen von solchem Geschäftsverhalten lernen?

 

N.P.: Ja, davon können wir wohl eine Menge lernen. Zum einen sollten wir lernen, dass das, was wir leisten, gut ist und auch dementsprechend honoriert werden sollte. Ich fürchte an der Tatsache, dass Männer häufig für die gleiche Leistung mehr Geld bekommen als Frauen, haben wir auch ein bisschen Schuld. Also selbstbewusstes Verkaufen und Bepreisen von unseren Leistungen! Weiterhin können wir Frauen lernen, mehr zu riskieren. Ich glaube, da sind viele Männer mutiger und auch besser im Weitermachen, wenn etwas schief geht.

 

D.N.: Und für alle, die sich gerne genauer mit dem Modell auseinandersetzen würden? Wie finde ich einen guten Reiss-Modell-Coach in meiner Nähe? Gibt es gute Bücher zu dem Thema, mit denen man sich auch ganz alleine coachen kann?

 

N.P.: Bei der Suche nach einem Coach für das Reiss-Motivations-Profil ist es wichtig, zu schauen, in welchem Kontext das Profil ausgefüllt wird. Ich coache damit gerne Menschen, die sich Gedanken über ihre berufliche Zukunft machen, etwa beim Wiedereinstieg in den Job. Geht es um die Thematik, wie nutze ich meine Motivtoren für den Verkauf und Vertrieb, gibt es Kollegen von mir, die sich darauf spezialisiert haben. Die Recherche ist somit ein bisschen aufwändiger, aber es lohnt sich. Viele meiner Kollegen haben gute Auftritte im Internet, man findet sie somit über die Google-Suche. Aber natürlich freue ich mich auch über direkte Anfragen; Anfragen direkt an mich oder auch für eine Vermittlung an einen Kollegen/ Kollegin.

Als Einstieg in das Thema kann ich das Buch „Die 16 Lebensmotive“ von Markus Brand und Frauke Ion aus der „30 Minutenreihe“ vom Gabalverlag sehr empfehlen; ein gutes Buch, um sich einzulesen. Auch nach dem Gespräch, findet man hier noch einige Anregungen um sich "selbst" zu coachen. Das Auswertungsgespräch zum Fragebogen sollte jedoch unbedingt mit einem ausgebildeten Reiss- Motivation-Profil-Master stattfinden.

 

D.N.: Alice und Eve coachen sich gegenseitig sehr, auch ohne theoretischen Unterbau. Ist diese Solidarität unter Frauen die Regel in Deiner Praxis als Coach? Oder erlebst du das anders? Was rätst Du den Frauen im Umgang miteinander?

 

N.P.: Ja, das ist ein interessantes Phänomen: ich erlebe tatsächlich häufig, auch selber, so tolle Freundschaften wie Alice und Eve sie haben. Frauen, die sich in allen Lebenslagen gegenseitig als Freundinnen ein Stück weit coachen und füreinander da sind. Dann erlebe ich aber auch, wie Frauen es schaffen, sich gegenseitig das Leben sehr schwer zu machen. Ich glaube, es ist wichtig, genau mitzubekommen, welche Freundschaften einem gut tun. Und diese dann zu pflegen.

 

D.N.: Gab es für Dich ein besonderes Schlüsselerlebnis beim Thema Coaching? Vielleicht eine Situation, in der Du jemanden auf einen besseren Weg helfen konntest? Oder wo Du selbst eine besondere Erkenntnis für Dein Leben hattest?

 

N.P.: Das gibt es tatsächlich und zwar beides und auch recht häufig: Situationen, wo ich andere coache und ihnen "auf einen besseren Weg helfen kann" und auch Situationen, wo ich selbst solche tollen Erkenntnisse habe - beim Selbstcoaching, aber auch im Coaching-Prozess mit anderen. Das finde ich fantastisch an diesem Beruf, deshalb macht mir meine Arbeit als Coach wirklich viel Spaß.

 

Vor kurzem habe ich einen Mitarbeiter eines mittelständischen Unternehmens gecoacht, der in seinem Fach sehr fit ist, beim Vortrag vor dem Kunden aber so unsicher, dass er immer weniger Aufträge von seinem Chef bekommen hat. Im Coaching haben wir an diesen Selbstzweifeln gearbeitet und Auftritte für den Kunden trainiert. Seine Performance steigerte sich in dem halben Jahr unserer Zusammenarbeit (wir haben uns in dieser Zeit fünf Mal getroffen) enorm. Und im Coaching-Abschluss-Gespräch mit seinem Chef meinte dieser, dass er eine Persönlichkeitsentwicklung beim meinem Kunden von 180 Grad beobachtet hätte und sein Mitarbeiter jetzt ganz anders, viel souveräner, vor dem Kunden auftritt.

 

Ein anderer schöner Fall war eine junge Frau, die sich beruflich neu orientieren wollte. Sie hatte sehr viel Ahnung von Wein und ihr Freund wollte daher mit ihr ein schickes Weinrestaurant aufmachen. Ihr Kopf sagte, das sei doch eine gute Idee, aber irgendetwas, was sie selber nicht so recht verstand, sträubte sich in ihr. Mit Hilfe des Reiss-Motivations-Profils haben wir herausgearbeitet, dass sie zwar sehr stark von Wein und Küche begeistert ist, aber auch ein ganz ausgeprägtes Interesse an theoretischem Wissen hat. Dieses hätte sie als Restaurantbesitzerin sehr wenig leben können. Dazu hat sie ein großes Streben nach ORDNUNG. Ihr Freund dagegen ist eher der kreative Chaot. Beim konkreten Ausmalen der Zusammenarbeit der beiden im Restaurant bekam sie große Bedenken. Als das klar geworden war, meinte sie: "Frau Paulic, Sie sind genial!" Heute hat sie eine Beratungsfirma für Winzer und Weinliebhaber und schreibt einen Blog.

Bei solchen Kunden und Coachingerfolgen freut sich mein hohes ANERKENNUNGsmotiv:-). Das habe ich in den letzten Jahren kennen, schätzen und leben gelernt. Mir ist es sehr wichtig mit Menschen und für Menschen zu arbeiten und dafür direkt Anerkennung zu bekommen.

 

D.N.: Wo möchtest Du selbst als Coach noch hin? Hast Du eine Vision, wie Du Deine Fähigkeiten als Coach am liebsten einsetzen würdest?

 

N.P.: Eine tolle Möglichkeit vom Coaching ist, dass man es so vielseitig anwenden kann. Es macht mir total Spaß, Führungskräfte zu coachen und Teams zu entwickeln. Ich finde es aber auch sehr spannend, Menschen bei ihrer beruflichen Orientierung zu unterstützen. Ein Herzensprojekt von mir ist es, Mütter zu unterstützen. Schon bevor ich selbst Mutter wurde, habe ich die Arbeit und die Leistungen von Müttern immer sehr bewundert. Mit dem Großziehen meiner eigenen tollen, anstrengenden drei Jungs ist diese Achtung vor dem, was Mütter leisten, noch gestiegen . Von daher wünsche ich mir für meine weitere berufliche Arbeit als Coach noch mehr Projekte, bei denen ich mit Müttern zusammenarbeiten kann.

 

D.N.: Vielen Dank, liebe Nina für das ausführliche Interview und auch die Gespräche vorab. Mich hast Du auf jeden Fall schon sehr neugierig gemacht und ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit mit Dir!

Weitere Infos zu Nina Paulics Coaching unter: http://www.hpk-consulting.de/profil-hpk-consulting/nina-paulic

 

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